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Herausforderungen für die Unternehmensbewertung aus der M&A-Welt

Publiziert in Fachliche News Freitag 23.02.2018
Herausforderungen für die Unternehmensbewertung aus der M&A-Welt

Am 31.1.2018 veranstaltete der Bundesverband Mergers & Acquisitions e.V. (BM&A)  die Auftaksitzung seines Arbeitskreises Unternehmensbewertung zu dem auch die Mitglieder der EACVA eingeladen waren. Nachfolgend können Sie die Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Dr. Kai Lucks zu "Herausforderungen für die Unternehmensbewertung aus der M&A-Welt" lesen.

Herausforderungen für die Unternehmensbewertung aus der M&A-Welt von Prof. Dr. Kai Lucks

Das organisatorische Prozessmodell für M&A-Projekte unterscheidet Kernprozesse, quer-funktionale Unterstützungsprozesse und einfach-funktionale Unterstützungsprozesse. Die „Bewertung und Finanzierung“ gehört zu den quer-funktionalen Unterstützungsprozessen. „Quer-funktional“ heißt, dass diese Prozesse alle Kernprozesse unterstützen, also nicht von einem einzigen Kernprozess vereinnahmt werden dürfen. Der Unterstützungsprozess „Bewertung und Finanzierung“ geht „end-to-end“ beginnend vom Strategie-Check bis zum Weiterverkauf von Unternehmensteilen am Ende des M&A-Projektes. In fast jeder Prozess-Stufe sind einzelne Arbeitspakete zur Bewertung anzusiedeln. Bei der Bewertung im Rahmen eines M&A-Projektes sind immer zwei Gesichtspunkte (Verfahren) einander gegenüber zu stellen: die Innensicht auf Basis des Geschäftsplanes, mit dem Discounted Cash-flow-Verfahren und die Außensicht, mit der Wertermittlung am Markt durch vergleichbare Multiples, basierend auf Börsenwerten oder Transaktionswerten. Die Bewertungen beider Partner der Transaktion entscheiden über das Zustandekommen des Deals: das Target muss aus Sicht des Käufers einen höheren Wert haben als beim Verkäufer. Die Transaktion muss einen Wertzuwachs beim Käufer erbringen.

Üblicherweise darf nur etwa die Hälfte des Synergiewertes an den Verkäufer als Teil des Kaufpreises abgegeben werden. Im Vorfeld spielt die Bewertung des Targets durch den Käufer als Teil der Simulation eine entscheidende Rolle. Neben dem Target ist auch der Wert der Synergien zu ermitteln, die durch die NewCo entstehen. Insofern ist die Wertbetrachtung bei M&A-Projekten immer eine Gesamtbetrachtung aus dem (a) eigenen zur Disposition stehenden Unternehmensteil, (b) dem Target und (c) dem Synergieplan. Die Bewertung durchläuft im M&A-Prozess mehrere Stufen, nämlich (1) Benchmarking-Vergleich mit führenden Wettbewerbern, (2) daraus Ableitung der Zielhöhe (3) dann, mithilfe von Faktorpreis-Entwicklungen und Preisentwicklungen im Markt des kombinierten Unternehmens die Ableitung der Ergebnis-Verbesserungen, (4) diese sind top down auf die Hebel herunterzubrechen und (5) mit Maßnahmen bottom-up zu hinterlegen. Sensitivitätsanalysen helfen, die potenziellen Werttreiber und Wertvernichter zu identifizieren, um frühzeitig entsprechende Steuerungen vornehmen zu können. Grundsätzlich sollten verschiedene Geschäftsszenarien durchgerechnet werden.

Zur bottom-up-Maßnahmenentwicklung und -Verfolgung hat sich ein 5stufiges Härtegrad-Konzept als hilfreich erwiesen, bestehend aus den Stufen (1) Maßnahmen-Definition, (2) Wertermittlung pro Maßnahme, (3) Hinterlegung derselben durch Aktionen, (4) Implementierung und (5) Eingang des entsprechenden Cashs. Im Zuge der Integration muss die Planung regelmäßig aktualisiert werden. Hockeysticks sind ein Warnsignal. Lassen sich diese nicht kompensieren und wenn sich der Trend nicht nachhaltig zum Besseren dreht, dann droht Wertverlust, d.h, das Projekt erzeugt einen negativen Geschäftswertbeitrag (GWB).