BewertungsPraktiker

Am 25.09.2026 ist der BewertungsPraktiker 3/2026 erschienen, welcher der Zeitschrift CORPORATE FINANCE (05/2026) beiliegt, u.a. mit den folgenden Themen:
- Der neue IDW S 1 (2026): Ist bei steuerlichen Bewertungsanlässen das Gutachten erforderlich oder reicht eine Stellungnahme aus?
Yannick Maar, CVA / Dennis Knorr, LL.M., CVA / RA/StB/WP Dr. Oliver Heising, CVA - Ökologische Nachhaltigkeit als Werttreiber in M&A-Transaktionen: Explorative Expertenbefunde aus der deutschen Transaktionspraxis
Andreas Dauerer / Paul Schlusemann / Prof. Dr. mult. Anton Aaron Burger - Das Spiel beginnt im Kopf – Mentales Training in drei Bausteinen
WP/StB Andreas Creutzmann, CVA - Betafaktoren
Prof. Dr. Bernhard Schwetzler, CVA / Osei Kwabena Brefo, M.Sc. - Aus der EACVA: Kalender • Literatur • Neue CVA's • Persönlich
Abstracts der einzelnen Beiträge:
Über den Einsatz von KI in der Unternehmensbewertung wird derzeit vor allem als Prozessthema gesprochen: Recherche, Peer-Group-Suche, Auswertung von Verträgen und Marktdaten, Plausibilisierung, Textproduktion. Das ist die sichtbare Seite. Die weniger sichtbare betrifft die Input-Parameter selbst. Wenn KI-Verfahren nicht nur beschleunigen, was wir ohnehin tun, sondern die Art verändern, wie einzelne Bewertungsparameter geschätzt werden, dann berührt das den Kern unserer Methodik. Ein Beispiel ist das Beta. Die gängige Praxis ist bekannt: Regression historischer Renditen gegen einen Marktindex über zwei bis fünf Jahre, Auswahl einer Peer Group, Un- und Relevern, gelegentlich eine Anpassung in Richtung Marktdurchschnitt. Das Ergebnis ist eine Vergangenheitsgröße, die in einen Kapitalisierungszins eingeht, der eine Erwartungsgröße sein soll. Dieser Bruch ist in der Literatur seit Langem beschrieben und wird in der Praxis pragmatisch hingenommen, weil es keine überzeugende Alternative gab.
Das Institute of Finance and Artificial Intelligence (IFAI) der Universität Maribor verfolgt einen anderen Ansatz. Statt ein historisches Beta zumessen und fortzuschreiben, wird mit KI-gestützten Verfahren ein künftiges Beta geschätzt; der Prognosehorizont der veröffentlichten Daten beträgt derzeit ein Jahr.
Ob eine solche Prognose der historischen Schätzung tatsächlich überlegen ist, lässt sich heute noch nicht abschließend beurteilen. Das ist eine empirische Frage, und sie wird sich erst über längere Zeiträume und anhand von Out-of-Sample-Tests beantworten lassen. Ein einjähriger Prognosehorizont ist zeitlich einer rein historischen Betrachtung von Aktienkursen vorzuziehen. An der Ausweitung der Prognose auf mehrere Planjahre wird sicherlich gearbeitet und dann wäre eine konsequente Fortsetzung die Diskussion um ein nachhaltiges Beta für die ewige Rente. Interessant wird auch sein, wie ein solches Verfahren im Gutachten so dokumentiert werden kann, dass es intersubjektiv nachvollziehbar bleibt. Wir halten die Entwicklung aber für bemerkenswert genug, um an dieser Stelle darauf hinzuweisen – ein aktuell vergangenheitsbasierter Parameter wird unseres Wissens erstmals ernsthaft und praxisorientiert als Prognosegröße modelliert.
Vertiefen lässt sich das Thema auf unserer 19. EACVA Bewerterkonferenz am 19. und 20. November 2026 in Berlin. Stefan O. Grbenic und Timotej Jagrič stellen dort in der Session „Five Clicks on the Stairway to Heaven: Beta Prediction using AI“ vor, wie globale Risikosignale in vorausschauende Branchen- und Unternehmens-Betas überführt werden. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Anmerkungen an redaktion@bewertungspraktiker.de und wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen.
Andreas Creutzmann (Vorstandsvorsitzender EACVA) und
Wolfgang Kniest (Geschäftsführer EACVA)
Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer nehmen wir Abschied von unserem Partner und Kollegen Matthias Kühne, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht, Betriebswirt (IWW), Wirtschaftsmediator (BStBK), Certified Valuation Analyst (CVA), der im Alter von nur 49 Jahren verstorben ist.
Mit der Neufassung des IDWS 1 hat das IDW die Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen umfassend überarbeitet. Dabei stellt sich die bedeutsame Frage, welcher Plausibilisierungsgrad bei Bewertungen zu steuerlichen Zwecken erforderlich ist und ob hierfür ein Gutachten des neutralen Gutachters notwendig bleibt oder eine Stellungnahme des neutralen Sachverständigen ausreichen kann. Da wegen der Neuheit des Standards bislang noch keine gefestigte Rechtsmeinung zu dieser Frage besteht, wird sie am Ende des Beitrags zusätzlich in einer Leserumfrage aufgegriffen. Die Ergebnisse sollen in einer der folgenden Ausgaben des BewertungsPraktikers veröffentlicht werden.
Ökologische Nachhaltigkeitsaspekte sind in M&A-Transaktionen insb. dann wertrelevant, wenn sie konkrete finanzielle oder rechtliche Folgen auslösen. In der Bewertung werden diese Effekte überwiegend über bestehende Werttreiber wie Umsätze, Kosten, Investitionen und Finanzierungskonditionen erfasst. Besonders relevant sind regulatorische Risiken, Energie- und CO₂-Kosten sowie notwendige Anpassungsinvestitionen. Darüber hinaus können Umweltfaktoren die Target-Auswahl, Kaufpreisverhandlungen und Vertragsgestaltung beeinflussen.
Mentale Stärke wird in jedem Leistungsbereich gefordert und selten operationalisiert. Der Beitrag beschreibt ein Übungsprogramm aus drei Bausteinen mit fester Reihenfolge und einem regelmäßigen Training von zehn Minuten am Tag. Er grenzt es gegen benachbarte Verfahren ab und benennt den eigentlichen Engpass, der nicht im Wissen liegt, sondern in der Umsetzung. Die Beispiele stammen aus dem Fußball. Es wird aber auch die Übertragung auf Gespräche, Verhandlungen und Auftritte des Berufsalltags von Bewertungsprofessionals, Unternehmern und Managern in diesem Beitrag gezeigt.
In dieser Ausgabe finden Sie Daten aus Refinitiv Eikon zum Stichtag 15.07.2026. Die Zusammensetzung der Branchen orientiert sich an der offiziellen Brancheneinteilung des Prime All Standard der Deutschen Börse AG. Es wurden quartalsweise 2-Jahres Betas mit Tages-Returns über 2 Jahre berechnet. Das 5-Jahres Beta wurde mit Monats-Returns über 5 Jahre berechnet. Als Marktindex dient der CDAX der Deutsche Börse.